Bauherrin: Gemeinde Gabersdorf Architektur: projektCC zt gmbh Freiraumplanung: Green4Cities Tragwerksplanung: ConLignum ZT GmbH Foto: Paul Ott
BHP'26: Die Preisträger:innen
Architektur braucht mutige Auftraggebende
Architektur beginnt immer mit einer Entscheidung: neuen Raum zu schaffen, Bestehendes weiterzuentwickeln oder unsere gebaute Umwelt bewusst zu verändern. Getroffen wird sie von Menschen – von Auftraggebenden, deren Verantwortung weit über die Finanzierung eines Projekts hinausreicht. Mit dem Bauherr:innenpreis würdigt die Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs daher nicht allein herausragende Bauwerke, sondern vor allem jene Menschen und Institutionen, die qualitätsvolle Architektur ermöglichen, einfordern und mittragen.
Bauherr:innenschaft hat viele Gesichter. Sie reicht von Privatpersonen, die vielleicht nur einmal in ihrem Leben bauen, über Gemeinden, gemeinnützige Bauträger:innen und öffentliche Institutionen bis zu professionellen Projektentwickler:innen. Ebenso vielfältig sind ihre Rollen: Auftraggebende sind Ideengebende und Nutzende, Finanzierende und Projektverantwortliche, kritische Sparringspartner:innen – und nicht zuletzt jene, die ein Konzept ermöglichen und seine Umsetzung verantworten. Ihre Verantwortung beginnt lange vor der Vergabe, in der Leistungsphase Null: Sie formulieren Ziele, schaffen Rahmenbedingungen und halten an einer gemeinsamen Idee fest, auch wenn diese auf Widerstände stößt. Damit prägen sie nicht nur ein einzelnes Gebäude, sondern dessen Umfeld und unseren gemeinsamen Lebensraum – den Umgang mit Ressourcen, die Qualität von Wohn-, Arbeits- und Bildungsräumen und den Wert, den wir dem Bestehenden beimessen.
Herausragende Architektur entsteht nie im Alleingang. Sie ist das Ergebnis von Beziehungen – zwischen Auftraggebenden, Architekt:innen, Fachplaner:innen, Nutzer:innen, Handwerker:innen und vielen weiteren Beteiligten in einem hochkomplexen und vielschichten Prozess. Qualität wächst dort, wo diese einander als Partner:innen begegnen: wo Ziele gemeinsam entwickelt, Entscheidungen auf Augenhöhe diskutiert und auch schwierige Phasen konstruktiv durchgestanden werden. Dieser Dialog braucht Zeit, Fachkenntnis und Vertrauen, vor allem aber Menschlichkeit – und die Bereitschaft, Lösungen zuzulassen, deren Wert über das unmittelbar Zweckmäßige hinausreicht und sich nicht immer in Wirtschaftlichkeitsrechnungen abbilden lässt. Auch das faire Verhandeln von unterschiedlichen Befindlichkeiten und Prioritäten, vorbildliche Vergabeprozesse und faire Honorierung von Leistungen zählen zu Qualitäten, die nicht immer als selbstverständlich betrachtet werden können.
Architekturschaffen ist ein zutiefst menschlicher Prozess; seine Ergebnisse erzählen immer auch von den Menschen, die ihn getragen haben.
Seit 1967 macht der Bauherr:innenpreis genau dieses Engagement sichtbar. Seit beinahe sechs Jahrzehnten begleitet er die Entwicklung der österreichischen Architekturlandschaft und richtet den Blick ganz bewusst auf die Prozesse, Entscheidungen und Formen der Zusammenarbeit hinter den Bauwerken.
Die nominierten und ausgezeichneten Projekte des Jahres 2026 zeigen erneut, wie vielfältig verantwortungsvolle Bauherr:innenschaft gelebt werden kann: im sorgsamen Weiterbauen, in der klugen Transformation vorhandener Strukturen, im bewussten Umgang mit Boden und Material, im gewagten Experiment oder in der Entwicklung neuer räumlicher und sozialer Möglichkeiten. Was sie verbindet, ist weder Größe noch Budget, Typologie oder Formensprache, sondern eine Haltung: der Anspruch, Architektur als langfristigen Beitrag zur Baukultur zu begreifen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Sie belegen eindrucksvoll, welchen ökologischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Mehrwert eine sorgfältig gestaltete Umwelt für unsere Gesellschaft schafft.
Möglich wird der Preis durch den Einsatz vieler – ein großes gemeinsames Vielfaches und nicht der kleinste gemeinsame Nenner. Wir danken den ehrenamtlichen Juror:innen der Nominierungsjurien, die alle eingereichten Projekte in den Bundesländern besichtigt und bewertet haben, den Fahrer:innen und Organisator:innen der Landesverbände sowie der Hauptjury, die alle Nominierungen vor Ort besucht und sich intensiv mit den Auftraggebenden, den Planenden und den Geschichten hinter den Projekten auseinandergesetzt hat. Den einreichenden Teams danken wir für ihr Vertrauen, die herzlichen Empfänge und die offenen, oft sehr persönlichen Einblicke in die Entstehungsgeschichte ihrer Projekte.
Den Nominierten und Preisträger:innen gratulieren wir herzlich. Ihr Mut und ihre Beharrlichkeit sind beispielhaft – und eine Einladung an kommende Generationen von Auftraggebenden, Verantwortung für eine nachhaltige, qualitätsvolle und zukunftsweisende Baukultur zu übernehmen.
Veronika Müller · Konrad Hitthaler · Alexander Topf
Präsidium der Zentralvereinigung der Architekt:innen Österreichs
Die Preisträger:innen 2026:
Erweiterung der Bäckerei - Kulturbackstube, Innsbruck Bauherr: Hansjörg Mölk Architektur: tatanka zt-gmbH Tragwerksplanung: Dipl.-Ing. Alfred R. Brunnsteiner Ziviltechnikergesellschaft mbH Foto: Paul Ott
Bauherrin: LEHM TON ERDE Baukunst GmbH Planung: Martin Rauch Tragwerksplanung: gbd ZT GmbH BAU-Ingenieure Foto: Hanno Mackowitz
Bauherr:in Villa Beer Foundation gemeinnützige GmbH, Lothar Trierenberg Architektur: cp architektur, Christian Prasser, Projektleiter Benedikt Dekan Freiraumplanung: Auböck + Kárász Landscape Architects Foto: Hertha Hurnaus
Bauherrin: Stadt Innsbruck mit Innsbrucker Immobilien GmbH Architektur: ARGE IB LAUP Landschaftsplanung und Machné & Glanzl Architekten ZT GmbH Foto: IKM, Stadt Innsbruck - Fabian Bär/Christoph Rauth
Bauherrin: Universität Graz Projektabwicklung: GBG Gebäude- und Baumanagement Graz GmbH Architektur: leb idris architektur Freiraumplanung: zwoPK Tragwerksplanung: IKK Group GmbH Denkmalschutz: Zechner Denkmal Consulting GmbH Foto: Karin Lernbeiß, Lupi Spuma
