Erweiterung der Bäckerei - Kulturbackstube, Innsbruck
Tirol, Bauherr:innenpreis, Preisträger:innenBauherrschaft: Hansjörg Mölk
Architektur: tatanka zt-gmbh, Sistrans
Foto: Paul Ott
Fachplaner:innen:
Tragwerksplanung: Dipl.-Ing. Alfred R. Brunnsteiner Ziviltechnikergesellschaft mbH
Planung E-Technik: Haslinger & Gstrein GmbH & CoKG
Brandschutzkonzept: bba-tec gmbh
Adaption EG: Klaus Schmücking GmbH & CoKG
Die Sicherung nichtkommerzieller Orte ist in Zeiten zunehmend ökonomisierter Stadträume und knapper kommunaler Haushalte eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Kulturbackstube im Innsbrucker Stadtteil Dreiheiligen zeigt, was möglich ist, wenn alle beteiligten Akteure bereit sind, prozesshaft, experimentell und gemeinschaftlich miteinander zu arbeiten und sich trauen, abseits des Status quo zu agieren.
Das ehemalige Betriebs- und Wohnhaus der Familie Therese Mölk, ein innerstädtisches Ensemble mit einer langen und traditionsreichen Geschichte, wird seit 2010 von einer dort ansässigen Kulturinitiative mit viel Engagement und Eigeninitiative bespielt, weitergedacht und auf die räumlichen Potenziale hin befragt. Ursprünglich nur für eine temporäre Nutzung von 3-5 Jahren angedacht, ist die „Bäckerei“ mittlerweile nicht mehr aus dem kulturellen Leben der Stadt wegzudenken Aus dieser gelebten Praxis des Aushandelns und Ausprobierens heraus, entstand ebenfalls die Entscheidung zur zweigeschoßigen Aufstockung in Holzbauweise.
Die neugeschaffenen Räume dienen dabei nicht allein der baulichen Erweiterung, sondern bilden ein ökonomisches Fundament für den Fortbestand der Kulturinitiative und der Räume im unteren Gebäudeteil. Durch Mieteinnahmen kann das Kulturzentrum langfristig unabhängiger von Förderungen und Subventionen agieren. Damit wird Architektur hier zu einem Instrument der Ermöglichung. Gleichzeitig bietet die Aufstockung Raum für neue Ideen und sichert das noch Kleine, Unsichtbare und Unfertige, das die Kulturbackstube selbst als ihren Kern beschreibt.
Besonders überzeugend ist die programmatische Offenheit des Projekts. Die ursprünglich angedachte Nutzung des Dachgeschoßes mit Maisonettewohnungen wurde im Projektverlauf verworfen. Stattdessen sind flexible Räume entstanden, die sich nicht vorschnell festlegen, sondern auch in Zukunft unterschiedliche Nutzungen zulassen. Der pragmatische Einsatz von Material, die Holzkonstruktion der Aufstockung und die klare Abgrenzung vom Bestand verbinden sich zu einem eigenen, unprätentiösen architektonischen Ausdruck.
Hervorzuheben ist insbesondere die Leistung des Bauherren Hansjörg Mölk. Sein großes und anhaltendes Vertrauen in die vorhandene Bausubstanz, in die Nutzer:innen und in den offenen architektonischen Prozess zeichnet dieses Projekt aus. Statt ein eng definiertes Ziel durchzusetzen, wurde ein offener Möglichkeitsraum zugelassen. Diese Bereitschaft, Unschärfe produktiv zu machen und ein kulturell genutztes Gebäude langfristig zu sichern, ist ebenso mutig wie vorbildlich.
Text: Katharina Benjamin
Fotos Bauherr:innen und Architekt:innen: Leopold Graf
