Villa Beer - Generalsanierung, Wien
Wien, Bauherr:innenpreis, Preisträger:innenBauherrschaft: Villa Beer Foundation gemeinnützige GmbH
Architektur: Architekt Christian Prasser, cp architektur Projektleiter Benedikt Dekan
Foto: Hertha Hurnaus
Fachplaner:innen:
Baukoordinator und ÖBA: Coordin.at Ziviltechniker Ges.m.b.H.
Bauphysik: Dipl.-Ing. Dr. Techn. Roland Müller
Gebäudetechnik: Käferhaus GmbH
Landschaftsplanung: Auböck + Kárász Landscape Architects
RestauratorInnen Leitung: Mag.art. Alexandra Sagmeister
Statik: Brand Zivilingenieure und Architekten
Vermessung: DI Gernot Fleischmann, Fleischmann Vermessung
„Ein gut organisiertes Haus ist wie eine Stadt anzulegen mit Straßen und Wegen, die zwangsläufig zu Plätzen führen, welche vom Verkehr ausgeschaltet sind, so daß man auf ihnen ausruhen kann.“
So formulierte Josef Frank 1931 in seinem Essay »Das Haus als Weg und Platz» die zentrale Idee der Villa Beer. Er entwarf gemeinsam mit Oskar Wlach im Auftrag von Julius und Margarethe Beer ein umfassendes Gesamtkonzept inklusive Einrichtung und Gartengestaltung im Wiener Stadtteil Hietzing.
Die Bauherren verloren das Haus jedoch alsbald wieder und unter den folgenden Eigentümern wurde das präzise entworfene Gebäude nach und nach verändert, verbaut und in mehrere Nutzungseinheiten unterteilt. Viele der eigens entworfenen Möbelstücke gingen verloren.
Bis zum Erwerb durch die gemeinnützige Villa Beer Foundation im Jahr 2021 stand das Haus viele Jahre leer und war in einen schlechten Zustand geraten. Die drängende Frage, wie die seit 1987 unter Denkmalschutz stehende Villa Beer als Schlüsselwerk der österreichischen Moderne restauriert, unterhalten und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden könnte, blieb lange unbeantwortet.
Daher ist die vollbrachte Leistung der UmBauherrenschaft, besonders zu würdigen. In engem und vertrauensvollem Austausch mit dem Architekten Christian Prasser entwickelte die Villa Beer Foundation unter der Leitung von Lothar Trierenberg ein tragfähiges Konzept für die Generalsanierung und schuf die Grundlage für die künftige Nutzung als öffentliches Haus-Museum.
Mit großem Verantwortungsbewusstsein, Geduld und hohem finanziellem Einsatz wurde hier nicht die schnelle Lösung gesucht, sondern dem forschenden Umgang mit dem Bestand Raum gegeben. Jede getroffene planerische Entscheidung wurde von einem hinzugezogenen Expertenbeirat kritisch hinterfragt und stützte sich auf eine Vielzahl an Quellen und Materialbefunden. Die restauratorischen Sanierungsarbeiten erforderten hierbei ein hohes Maß an Kooperations- und Kompromissbereitschaft zwischen Bauherrenschaft, Architekten, Denkmalpflege und den ausführenden Gewerken, um die angestrebte Ausführungsqualität auf allen Detailebenen zu erreichen. Ein Prozess, der mit größter Sorgfalt im Sanierungstagebuch dokumentiert und öffentlich einsehbar gemacht wurde.
Wer heute die Villa Beer besucht, erkennt unmittelbar, dass sich der hohe Einsatz und das Engagement der Bauherrenschaft vollumfänglich ausgezahlt haben. Die Villa Beer lässt sich wunderbar durchstreifen, bietet eine intensive Raumerfahrung, die in Erinnerung bleibt, und ermöglicht zugleich wissenschaftliche und künstlerische Auseinandersetzungen. Sie bietet Raum für Künstlerresidenzen und Symposien und fördert Kooperationen mit Universitäten und Archiven.
Damit ist das Haus wieder zu einem Ort des Austauschs geworden - offen, vernetzt und voller Wege, die zu Plätzen führen.
Text: Katharina Benjamin
Fotos Bauherr:innen und Architekt:innen: Leopold Fuchs
