Kinderkrippe Gabersdorf
Steiermark, Bauherr:innenpreis, Preisträger:innenBauherrschaft: Gemeinde Gabersdorf
Architektur: projektCC zt gmbh, Graz
Foto: Paul Ott
Fachplaner:innen:
Statik: ConLignum ZT GmbH
Bauphysik: Pilz & Partner
Landschaftsplanung: Green4Cities
HKLS-Planung: Pechmann
E-Planung: Klauss Lichtplanung
Hydrologie: INSITU Geotechnik
Leitsystem: sort.
Winston Churchills Diktum „We shape our buildings and afterwards our buildings shape us“ wird in Gabersdorf zu gelebter kommunaler Realität. Dass eine Gemeinde mit rund 1.300 Einwohnern unter der Führung ihres architekturaffinen Langzeitbürgermeisters Franz Hierzer bauliche Maßstäbe dieser Güte setzt, demonstriert außergewöhnliche Weitsicht der Bauherrin. Frühkindliche Bildung erhält hier kein bloßes Zweckgebäude, sondern ein qualitätvolles, nachhaltiges Fundament. Besonders hervorzuheben ist die vorbildliche „Phase 0“: In Kooperation mit dem Projektentwickler Ingenos und durch Exkursionen zu Best-Practice-Beispielen wurden die Anforderungen von Bauherrschaft und Pädagog:innen präzise geschärft, noch bevor die eigentliche Planung begann.
Ein zentrales Kriterium des Bauherr:innenpreises ist die soziale Qualität und Transparenz des Entstehungsprozesses. Der Partizipationsprozess in Gabersdorf war beispielhaft: Eine breit aufgestellte Arbeitsgruppe band alle politischen Fraktionen, die Kindergarten- und Schulleitung, das e5-Team sowie die Landjugend als zukünftige Elterngeneration aktiv ein. Diese transdisziplinäre Kooperation sicherte eine außergewöhnlich hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, was sich in einstimmigen Gemeinderatsbeschlüssen für den Grundkauf und den geladenen Architektenwettbewerb widerspiegelte. Dass das Büro Projekt cc den Wettbewerb gewann, stärkte das Vorhaben durch einen verdienten Vertrauensvorschuss aus früheren erfolgreichen Projekten.
Der rein ebenerdig organisierte Baukörper überzeugt architektonisch wie auch in der Materialqualität. Gestalterische Basis ist ein stringentes Rastersystem von 4x4 Metern Achsmaß, das einen konstruktiv hocheffizienten Holzbau mit wirtschaftlichen Querschnitten erlaubt. Im Inneren entfaltet sich eine differenzierte Lernwelt für die Kleinsten. Durch eine geschickte, kleinteilige Zonierung gelingt die Balance zwischen Geborgenheit und Stimulation. Ausgeprägte Innen-Außenraumbezüge aktivieren die räumlich-gegenständliche Umwelterkundung und reagieren perfekt auf das offene pädagogische Prinzip.
Frei nach Loris Malaguzzi erfüllt dieser Entdeckungsraum bravourös die Funktion des Raumes als „dritter Pädagoge“.
Als klimaaktiv-Gemeinde der ersten Stunde setzte die Bauherrin konsequent auf höchste Energieeffizienz und eine optimierte öffentliche Anbindung. Das Erreichen des anspruchsvollen klimaaktiv-Standards Gold belegt die herausragende ökologische Qualität des Bauwerks und das zukunftsorientierte Denken der Gemeindeführung.
Die Gemeinde Gabersdorf liefert das Paradebeispiel einer verantwortungsvollen öffentlichen Bauherrin. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, dass baukulturelle Exzellenz keine Frage der Gemeindegröße ist, sondern das Ergebnis von Mut, tiefer Partizipation und anspruchsvoller Baukultur. Eine untrennbare Einheit mit maximaler Vorbildwirkung für den ländlichen Raum.
Text: Sonja Hohengasser
Fotos Bauherr und Architekt: Leopold Fuchs
