Wiedererrichtung des ehemaligen Jesuitenrefektoriums am Rosenhain - Institut für Bewegungswissenschaften, Sport und Gesundheit der Universität Graz
Steiermark, Bauherr:innenpreis, Preisträger:innenBauherrin: Universität Graz
Projektabwicklung: GBG Gebäude- und Baumanagement Graz GmbH
Architektur: leb idris architektur, Graz
Foto: Karin Lernbeiß, Lupi Spuma
Fachplaner:innen:
Landschaftsarchitektur zwoPK
Statik IKK Group GmbH
Denkmalschutzconsulting: Zechner Denkmal Consulting GmbH
Archäologie: Archnet Bau- und Bodendenkmalpflege GmbH
Planungsmanagement und Ausführungsplanung (mit ÖBA): Arge eep architekten ZT GmbH& Baukoord DI Dieter Eigner GmbH
Bauphysik: Die Bauphysiker Rosenfelder & Höfler Consulting Engineers GmbH
HKLS&MSR&Brandschotte: SK-Planung GmbH
Elektrotechnik&Förderanlagen: Die Elektroplaner GmbH
Geotechnik, Geothermie, Entwässerung: Insitu Geotechnik ZT GmbH
Brandschutzconsulting: Norbert Rabl ZT GmbH
Die Revitalisierung des ehemaligen Jesuitenrefektoriums am Rosenhain stellt einen Sonderfall des Umbauens dar. Nicht ein intakter Bestand wurde ertüchtigt oder an eine neue Nutzung angepasst, sondern eine Ruine aus Außenmauern, einzelnen Gewölben und wenigen Elementen früherer Zustände. Der Bestand war stark beschädigt, aber gut dokumentiert und nicht bedeutungslos - zu wenig Substanz für eine einfache Weiterverwendung, doch zu viel, um sie zu ignorieren. Die Wiedererrichtung führte weder zu einem Neubau noch zu einem Altbau im vertrauten Sinn. Sie erzeugt eine dritte Form: ein Gebäude, das seine Geschichte nicht illustriert, sondern verfremdend interpretiert und so zugänglich macht.
Im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Umbauten, in denen der Bestand tiefgreifend überformt wird und am Ende vor allem neu und praktisch erscheint, bleibt hier eine eigentümliche Schwere erhalten. In der Verbindung von geschlämmtem Mauerwerk, neuer Massivität und klösterlicher Ordnung entsteht eine geschichtsbewusste Modernität, die nie nostalgisch wirkt. Ergänzungen sind ablesbar und entwickeln aus dem Bestehenden eine eigene Präsenz. Trotz dieser klaren Unterscheidbarkeit entsteht ein neues Ganzes.
Zentral ist die Verwendung von Dämmbeton als zeitgenössischer Form monolithischen Mauerwerks. Seine Wandstärke und Oberflächen mit ihren Herstellungsspuren werden als Rohbau gezeigt und nähern sich darin dem Charakter der Ruine an. Das historische Mauerwerk wird nicht in den ursprünglichen, verputzten Zustand zurückgeführt, sondern mit einer hellen Schlämme ebenfalls als veredelter Rohbau ausgestellt und damit den modernen Ergänzungen angenähert.
Dieses Konzept des Ergänzens und Zusammenführens wird durch sorgfältig entwickelte Statik-, Bauphysik- und Haustechnikkonzepte ermöglicht. Die Bauteilaktivierung erlaubt den Umgang mit dem feuchtebelasteten Bestand, raffinierte Details machen eine vollflächige Innendämmung unnötig. Dass das alte Mauerwerk innen wie außen wirken kann, ist Ergebnis planerischer Sorgfalt. Das neue, ausgebaute Dach zeigt zugleich, wie eng der Spielraum war: Umbauen entsteht selten aus Ideallösungen, sondern aus Verhandlungsprozessen.
Auch der Freiraum wird revitalisiert. Die Landschaftsarchitektur bindet das Gebäude wieder an seine Lage im Rosenhain an. Dach-, Oberflächen- und Hangwasser wird nach historischem Vorbild in die Rosenhainteiche geleitet und erhält damit ein altes Prinzip nachhaltigen Wassermanagements.
Die Universität Graz, ihre Vertreter:innen und viele Fachleute der Amtsstellen haben mit großem persönlichem Engagement Überzeugungsarbeit geleistet, Rückschläge ausgehalten und Lösungen verhandelt. Bestand wurde so nicht bloß erhalten, sondern produktiv gemacht: als Vorgabe und Widerstand, als Erinnerung und gestalterischer Ausgangspunkt.
Text: Lukas Imhof
Fotos Bauherr:innen und Architekt:innen: Leopold Fuchs
