COOLYMP – klimafitte Platzgestaltung, DDr.-Alois-Lugger-Platz, Innsbruck
Tirol, Bauherr:innenpreis, Preisträger:innenBauherrin: Stadt Innsbruck mit Innsbrucker Immobilien GmbH
Architektur: ARGE IB, LAUP Landschaftsplanung+ Machné & Glanzl Architekten ZTGmbH
Foto: IKM, Stadt Innsbruck - Fabian Bär/Christoph Rauth
Fachplaner:innen:
DI Carlo Chiavistrelli GmbH - Hanel Ingenieure (Tragwerksplanung & ÖBA)
PRO-PLAN GmbH (Haustechnik)
Die Stadt Innsbruck beweist als Bauherrin mit dem Projekt COOLYMP außergewöhnliche Weitsicht. Angesichts der klimatischen Herausforderungen der alpinen Kessellage – verschärft durch Hitzeinseln und Starkregen – verharrt die Stadt nicht im Verwalten, sondern agiert gestaltend. Die Leistung liegt in der bewussten Wahl des Projektgebiets: Statt repräsentative Plätze der Altstadt zu bespielen, lenkt die Stadt das Budget und die Aufmerksamkeit gezielt in die dicht besiedelte Peripherie – in den Stadtteil Olympisches Dorf. Der DDr. Alois-Lugger-Platz galt mit 4.000 m² vollständiger Versiegelung, extremer Hitzeakkumulation und massiver Föhnexposition als städtebaulicher Problemfall. Die Stadt Innsbruck hat dieses Areal mutig zum Reallabor für die europäische Stadt der Zukunft erklärt.
Die größte statische Hürde des Platzes – die vollständige Unterbauung durch eine Tiefgarage – galt jahrelang als Ausschlusskriterium für eine substanzielle Begrünung. Als Bauherrin gab sich die Stadt mit diesem Status quo nicht zufrieden. Auf Basis fundierter Kosten-Nutzen-Analysen initiierte die Auftraggeberin den Einsatz wegweisender grüner und blauer Infrastrukturlösungen für statisch limitierte Freiflächen. Durch die Verknüpfung von technischer Machbarkeit mit mikroklimatischen Anforderungen bricht die Bauherrin mit alten Planungsdogmen. Sie beweist, dass auch scheinbar verlorene Betonwüsten in hochfunktionale, elastische Schwammstadt-Räume transformiert werden können.
Die Stadt Innsbruck etabliert eine neue Planungskultur im kommunalen Kontext und bricht das isolierte Ressortdenken der Fachämter auf. Als Bauherrin installierte die Stadt eine transparente Projektstruktur inklusive einer politisch verankerten Steuerungsgruppe. Die Innovation liegt in der integralen Planung: Innsbruck verknüpfte die bauliche Umsetzung direkt mit einer interdisziplinären Forschungsbegleitung aus Umwelttechnik, Soziologie und Geographie. Zudem degradiert die Stadt die Bevölkerung nicht zu Statisten. Eingebettet in das Smart Cities Projektmonitoring wurde unter dem Slogan „Gemeinsam zu einem neuen Treffpunkt“ ein radikaler Beteiligungsprozess auf Augenhöhe geführt. Durch kontinuierliche Rückkoppelungsschleifen mit den 7.000 Anwohner:innen schuf die Bauherrin einen breiten demokratischen Konsens.
Die Stadt Innsbruck liefert das Paradebeispiel eines verantwortungsvollen öffentlichen Bauherrn. Das Projekt zeigt, wie durch das Engagement einer Bauherrin Ängste vor technischen Restriktionen und komplexen Bürgerbeteiligungsprozessen überwunden werden. Innsbruck schafft einen messbaren kommunalen Mehrwert, der als baukultureller Werkzeugkasten für Kommunen in ganz Europa dient – ein Plädoyer für Klimagerechtigkeit und soziale Daseinsvorsorge.
Sonja Hohengasser
Foto Bauherr:innen und Architekt:innen: Leopold Fuchs
