Museum Bezau Vorarlberg
Aktuelles, Bauherr:innenpreis, Preisträger:innen, ArchitekturpreisEllenbogen 181, 6870 Bezau
BAUHERR:IN Museumsverein Bezau
ARCHITEKTUR Innauer Matt Architekten GmbH
TRAGWERKSPLANUNG merz kley partner GmbH
FERTIGSTELLUNG 04|2024
Der Bregenzerwald hat sich über die Jahre einen Ruf als Ort qualitätsvollen Gestaltens und handwerklicher Präzision erworben. Weniger bekannt ist jedoch, dass dahinter eine lange baukünstlerische Tradition steht. Der „Wald“, wie die Region genannt wird, war besonders in der Barockzeit ein bedeutendes Ausbildungszentrum. Hier erhielten Baumeister wie Michael und Peter Thumb oder Franz Beer von Bleichten ihre Prägung, bevor sie weit über Vorarlberg hinaus als Barockarchitekten reüssierten.
Im Bewusstsein dieser Geschichte entstand bereits vor rund hundert Jahren in Bezau ein Heimatmuseum – in einem typischen dreiteiligen Wälderhaus unter einem First, bestehend aus Hausstock, Tenne und Stall. Der Stall wurde längst abgebrochen, und auch das ursprüngliche Gebäude war über Jahrzehnte ein um den Stall reduzierter Rumpf. 2018 fiel der Entschluss, diese Tradition neu zu beleben. Man wandte sich an ein junges Architekturbüro aus dem Ort.
Von Beginn an war klar, dass die begrenzten finanziellen Mittel nur durch gemeinsames Engagement zu bewältigen wären: Ehrenamtliche, Vereine und regionale Handwerksbetriebe trugen wesentlich zum Gelingen bei.
Der verbliebene Teil des Stadels wurde abgetragen und durch einen neuen, sieben Meter langen Baukörper ersetzt. Seine äußerliche Schlichtheit täuscht über die innere räumliche Komplexität hinweg. Öffnet man die einfache Holzschiebetüre, betritt man einen Kassen- und Veranstaltungsraum, von dem aus eine raffinierte Wegeführung den Neubau mit dem historischen Holzhaus verzahnt. Der Strickbau aus dem 16. Jahrhundert, mit niedrigen Räumen und verrußten Originalwänden, wird geschickt in einen Rundgang eingebunden, der schließlich in die weiß gekalkten, holzverkleideten Ausstellungsräume des Obergeschoßes führt. Auch hier gab es Debatten: Ist das Kalken von Holzwänden nicht Verschwendung? Nach intensiven Diskussionen entschied man sich dennoch dafür, da die Flächen so nach wechselnden Ausstellungen leicht erneuert werden können. Neben der Dauerausstellung im alten Haus bietet der Neubau nun Platz für Wechselausstellungen wie „Frauenarbeit und Stickerei im Wald“, oder „Foto Hiller. Bildgeschichte Bregenzerwald“. Für deren inhaltliche Konzeption wurden zusätzlich Fachleute für Museums- und Ausstellungsgestaltung beigezogen – bei dieser Projektgröße und den engen Budgetvorgaben ein bemerkenswerter Schritt.
Text: Günter Mohr
Film und Fotos: Hanno Mackowitz

