Hotel und Wohnen Am Hirschengrün, Salzburg
Aktuelles, Bauherr:innenpreis, Preisträger:innen, ArchitekturpreisElisabethstraße 5, 5020 Salzburg
BAUHERR:IN Katharina und Nikolaus Richter-Wallmann
ARCHITEKTUR LP architektur ZT GmbH / Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH
FREIRAUMPLANUNG Karin Standler Landschaftsarchitektur
TRAGWERKSPLANUNG ConLignum ZT GmbH
INNENRAUMGESTALTUNG Studio Eliste
FERTIGSTELLUNG 12|2023
Das im Salzburger Bahnhofviertel gelegene 4-Sterne-Hotel „Hirschenwirt“, das sich seit über 200 Jahren in Familienbesitz befindet, war bereits in die Jahre gekommen, als es 2019 an die nächste Generation übergeben wurde. Ursprünglich war eine klassische Hotelsanierung geplant, doch während der Überlegungen wurde der jungen Hoteliersfamilie sukzessive bewusst, dass ihr mehr vorschwebte als ein klassisches Touristenhotel. So entstand die Idee eines ganzheitlichen Quartiers mit Hotel, Wohnungen, Gastronomie, Gewerbe und viel Grün. Altbestand und Neubauten sollten in Holzhybridbauweise verbunden werden.
Die mutige Entscheidung, zwei Drittel der 5.000m2 großen Liegenschaft nicht an einen Bauträger zu vergeben, sondern in Eigenregie für zukunftsfähige Synergien mit dem Quartier zu entwickeln, ermöglichte die Sanierung und Erweiterung des historischen Hotels. Über einen neuen, innerstädtischen Hof wurden Zubauten für Wohnen und Gewerbe in die umgebenden Nachbarschaften eingebunden.
Die Setzung der neuen Baukörper wurde dabei differenziert aus dem heterogenen Stadtgefüge abgeleitet. Sie entwickeln sich in spezifischen Antworten auf den Kontext. Die Hotelerweiterung entlang der St.-Julien-Straße schließt in der Bauflucht an und zeigt sich als Holzbau auf massivem Sockel konstruktiv eigenständig. Historische Lochfassaden werden modern interpretiert und eine Durchfahrt vernetzt zum Innenhof. Zur Elisabethstraße hin ordnet ein solitär gesetzter Hochpunkt die umgebende Baumassenstruktur; seine bauplastische Eigenständigkeit stärkt die Adresse des Hotels. Der Wohnungsbauriegel mit Gewerbe im Erdgeschoß entwickelt durch den Rückversatz zum Straßenraum großzügiges, innerstädtisches Grün und verknüpft den zum Entrée geöffneten Vorgarten des Hotels zu einer maßstäblichen, einladenden Raumfolge. Durch die Fassung des Baublocks entsteht ein qualitätsvoller, urbaner Innenhof. Trotz der Lage im Bahnhofsviertel bleibt dieser für die Vernetzung mit den urbanen Räumen offen, was als sozialräumlicher Beitrag anerkannt wird. Hofseitig vorgesetzte Holzbalkone aktivieren diese neue „Grüne Mitte“ zusätzlich. Das Hotel erhält auf der Spur eines Nebengebäudes eine addierte Bauspange mit Gästeappartements.
Die Rolle der Bauherrschaft bei der Einsteuerung der breit aufgestellten Nutzungsdurchmischung ist positiv hervorzuheben. Es entstehen Hotelangebote und Gastronomie in unterschiedlichen Typologien. Im Wohnungsmix wird auch eine Kopplung mit weißem Gewerbe angeboten. Die Freiraumangebote stärken den halböffentlichen Raum. Mit Holzhybridbauten, unversiegelten Flächen der hochwertigen Freianlagen und attraktiven Angeboten zum Fahrradparken kommuniziert das neue Quartier offensiv seinen Beitrag zum ökologischen Bauen in der Stadt.
Text: Anne Beer
Film und Fotos: Hanno Mackowitz

