Erweiterung Firmenzentrale Windkraft Simonsfeld, Ernstbrunn Niederösterreich
Aktuelles, Bauherr:innenpreis, Preisträger:innen, ArchitekturpreisEnergiewende Platz 1, 2115 Ernstbrunn
BAUHERR:IN Windkraft Simonsfeld AG
ARCHITEKTUR juri troy architects
FREIRAUMPLANUNG outside landschaftsarchitektur GmbH
TRAGWERKSPLANUNG KPPK Ziviltechniker GmbH
FERTIGSTELLUNG 11|2024
Betrachtet man die Entstehungsgeschichte dieses Projekts, klingt sie fast wie aus einem Science-Fiction-Roman. Eine Firma, die in der grünen Ökonomie tätig ist, ihr Geld mit dem Betrieb von Windparks verdient und als Aktiengesellschaft gleichzeitig ihren Aktionären verpflichtet ist, entschloss sich zu einem konsequent nachhaltigen Verwaltungsbau. Am Stammsitz in Simonsfeld wurde 2014 das erste Gebäude fertiggestellt, das damals im Hinblick auf den Stand der Technik sehr ambitioniert war. Doch das rasche Wachstum des Unternehmens machte schon nach wenigen Jahren eine Erweiterung notwendig. Eine umfassende Bedarfsanalyse bildete die Grundlage für einen geladenen, mehrstufigen Wettbewerb. Dabei war Nachhaltigkeit nicht nur ein Schlagwort, sondern ein zentrales Ziel.
Zugleich zeigte sich, dass der Begriff bis heute keine eindeutige Definition hat. Das Projekt verdeutlicht, wie sich der Begriff, die Technik und der Zugang zu Nachhaltigkeit in den letzten Jahren geändert haben.
Die Erweiterung schließt das bestehende Gebäude zu einem Vierkanthof und schafft im Zentrum einen grünen Innenhof, der als neues Herz des Unternehmens Begegnung und Kommunikation fördert. Der Bestand wurde eingebunden und beide Geschoße sind nun zu einem Rundgang verbunden, der kurze Wege ermöglicht. Im Erdgeschoß befinden sich um den Eingang herum der Empfang, Besprechungsräume und ein multifunktionaler Veranstaltungsraum. In der Mensa wird mit Gemüse aus dem eigenen Garten gekocht und auf dem Parkplatz können Mitarbeiter ihre Autos kostenlos mit Strom aus der firmeneigenen PV-Anlage laden.
Die Konstruktion basiert auf einem klar gegliederten Holzskelettbau, der durch zwei massive Stampflehmkerne ergänzt wird. Diese übernehmen die Erschließung. Sie sind bauteilaktiviert und regulieren das Raumklima; die notwendige Energie liefern elf Tiefenbohrungen. Holz ist in Konstruktionund Oberfläche stets präsent. Es verleiht den Räumen eine wohnliche Atmosphäre und vermittelt zugleich den Anspruch nachhaltiger Zukunftsfähigkeit. Auch in den Nebenräumen wurde großer Wert auf Gestaltung gelegt.
Für die Besprechungsräume im Obergeschoß entstand im Rahmen eines Kunst-am-Bau-Projekts ein besonderer Akzent. Die Felder vor den Fenstern wurden als farbige Stoffflächen nach innen übertragen und schaffen so eine Verbindung zwischen Landschaft und Arbeitswelt.
Dieses Gebäude zeigt beispielhaft, wie unternehmerische Verantwortung aussehen kann – nicht nur gegenüber Aktionären, sondern ebenso gegenüber Mitarbeitenden, Gesellschaft und Umwelt.
Text: Günter Mohr
Film und Fotos: Hanno Mackowitz

